Auflagertypen
Auflager verbinden das Tragwerk mit der Umgebung. In der Steifigkeitsmethode legt jedes Auflager einzelne Freiheitsgrade eines Knotens fest – starr, mit einem vorgegebenen Wert wie bei einer Stützensenkung, oder elastisch über eine Feder. Diese Seite ordnet die üblichen Auflagertypen den Freiheitsgraden zu, zeigt, wie daraus die Auflagerkräfte entstehen, und rechnet eine Stützensenkung und ein Federlager vollständig durch.
1. Auflager als Bindungen
Ein Knoten eines ebenen Rahmens hat drei Freiheitsgrade: die Verschiebungen und und die Verdrehung (siehe Direkte Steifigkeitsmethode, Abschnitt 2). Ein Auflager sperrt einen oder mehrere davon. Die Zahl der gesperrten Freiheitsgrade ist die Wertigkeit des Auflagers; zu jedem gesperrten Freiheitsgrad gehört genau eine Auflagerreaktion.
| Auflager | gesperrt | frei | Wertigkeit | Reaktionen |
|---|---|---|---|---|
| Loslager | , | 1 | ||
| Festlager | , | 2 | , | |
| Einspannung | , , | – | 3 | , , |
| verschiebliche Einspannung | , | 2 | , |
Die Tabelle nennt die übliche Lage mit waagrechter Gleitrichtung. Ebenso gibt es ein Loslager, das nur hält, oder eine verschiebliche Einspannung, die in -Richtung gleitet. Ein Federlager sperrt keinen Freiheitsgrad, sondern hält ihn elastisch; es wird in Abschnitt 5 behandelt.
Ein Auflager bestimmt, welche Bewegungen verhindert sind, nicht, wie der Stab angeschlossen ist. Ob sich ein Stabende am Festlager frei verdrehen kann, hängt davon ab, dass das Festlager nicht sperrt – ein Gelenk im Stab braucht es dafür nicht, siehe Abschnitt 3.
2. Auflagerkräfte
Man teilt die Freiheitsgrade in freie () und gesperrte () und ordnet das Gleichungssystem entsprechend. An den gesperrten Freiheitsgraden kommt zur Last die unbekannte Auflagerreaktion hinzu:
Die obere Zeile liefert die freien Verschiebungen, die untere danach die Auflagerreaktionen:
sind die Kräfte, die das Auflager auf das Tragwerk ausübt, positiv in Richtung der globalen Achsen und das Moment positiv gegen den Uhrzeigersinn. Ein nach oben drückendes Auflager hat also . Das Glied enthält Lasten, die unmittelbar am gesperrten Freiheitsgrad angreifen, und die arbeitsäquivalenten Anteile der Stablasten an diesem Knoten: Eine Einzellast direkt über einem Loslager geht ohne Umweg in dessen Auflagerkraft.
Als Probe müssen Lasten und Auflagerkräfte zusammen im Gleichgewicht stehen: , und um einen beliebigen Punkt.
3. Auflager und Stabanschluss
Am Festlager ist die Verdrehung ein freier Freiheitsgrad und damit eine Unbekannte des Gleichungssystems. Hängt dort nur ein Stab, verdreht er sich mit dem Knoten, und das Moment am Stabende ist null, weil nichts anderes am Knoten ein Moment aufnehmen kann. Ein Momentengelenk am Stabende ändert daran nichts: Es macht aus der Knotenverdrehung nur einen Freiheitsgrad ohne Steifigkeit (siehe Gelenke und Freiheitsgrade, Abschnitt 2).
Anders ist es in zwei Fällen:
- Mehrere Stäbe am Festlager. Biegesteif angeschlossen, teilen sie sich die Knotenverdrehung und können untereinander Momente austauschen. Nur wenn die Stäbe wirklich gelenkig angeschlossen sind, braucht es Momentengelenke an den Stabenden – bei Stäben genügen .
- Einspannung. Hier ist gesperrt, und ein biegesteif angeschlossener Stab erhält das Einspannmoment. Ein Momentengelenk am Stabende hebt die Einspannung für diesen Stab auf; er ist dann nur noch gelenkig gelagert.
4. Stützensenkung
Eine Stützensenkung ist eine vorgegebene Verschiebung an einem gesperrten Freiheitsgrad. In der Gleichung oben steht sie in und wirkt über wie eine Last auf die freien Freiheitsgrade. Eine vorgegebene Auflagerverdrehung wird genauso behandelt. Ein statisch bestimmtes Tragwerk folgt einer Senkung zwangfrei, ohne dass Schnittgrößen entstehen. Erst überzählige Bindungen behindern die Bewegung; die dabei entstehenden Zwangsschnittgrößen wachsen mit der Steifigkeit .
System
Zweifeldträger wie im Beispiel zur Steifigkeitsmethode: zwei Felder zu m, kNm², Festlager , Loslager und . Keine Last; das Mittelauflager senkt sich um mm, also m.
Gleichungssystem
Unbekannt sind wieder die Verdrehungen , und ; die Matrix ist dieselbe wie dort. Neu ist die rechte Seite. Die Spalte von zu enthält aus der Elementmatrix die Einträge : bei (Stab A–B, Ende ), bei und bei (Stab B–C, Anfang ). Mit kN:
Lösung
Aus der Symmetrie folgt und . Die erste Zeile gibt mit kNm
Auflagerkräfte und Stützmoment
Aus , mit kN/m und, weil sich bei beide Stäbe addieren, kN/m:
Das Mittelauflager zieht den Träger also nach unten, die Endauflager drücken ihn nach oben; aus Symmetrie ist , und die Summe ist null, wie es ohne Last sein muss. Das Stützmoment ist das Endmoment von Stab A–B:
Positiv, also Zug an der Unterseite: Der Träger hängt über durch. Die Momentenlinie ist in beiden Feldern linear, von null an den Endauflagern bis kNm über . Zur Probe: kNm.
5. Federlager
Ein Federlager hält einen Freiheitsgrad elastisch: Die Auflagerkraft ist proportional zur Verschiebung, , mit der Federsteifigkeit in kN/m für Verschiebungen und in kNm/rad für die Verdrehung (Drehfeder). Damit lassen sich nachgiebiger Baugrund, ein stützender Nachbarbauteil oder eine teilweise Einspannung abbilden.
In der Steifigkeitsmethode bleibt der Freiheitsgrad frei. Die Feder ist ein zusätzliches Element, das nur an diesem einen Freiheitsgrad hängt; ihre Steifigkeit wird auf das Hauptdiagonalelement addiert:
Die Grenzfälle sind das freie Ende () und das starre Auflager (). Zählt man Auflager ab, zählt ein Federlager wie ein starres: Es bringt eine unbekannte Kraft und mit dem Federgesetz eine Gleichung mehr.
Beispiel: Kragträger mit Federlager
Kragträger m, bei eingespannt, am freien Ende auf einer senkrechten Feder kN/m. Gleichlast kN/m nach unten, kNm².
Unbekannt sind die Durchbiegung und die Verdrehung . Mit kN/m, kN und kNm und den arbeitsäquivalenten Lasten des Stabendes , kN und kNm:
Die Feder steht nur auf der Hauptdiagonale. Mit der Determinante folgt
Die Feder drückt mit kN nach oben. Aus dem Gleichgewicht am ganzen Träger: kN und das Einspannmoment kNm, gegen den Uhrzeigersinn.
Probe mit der Nachgiebigkeit
Dieselbe Federkraft folgt aus der Verträglichkeit am freien Ende: Die Durchbiegung des Kragträgers unter , vermindert um die aus , muss gleich der Federzusammendrückung sein.
Für ergibt die Formel kN, den Kragträger mit Stütze am Ende; für ist , und das Einspannmoment wird kNm.
Drehfeder und Einspanngrad
Eine Drehfeder (in kNm/rad) an einem Ende eines Einfeldträgers unter Gleichlast liegt zwischen gelenkiger Lagerung und Einspannung. Aus der Verträglichkeit am Federende, Endverdrehung des Einfeldträgers gleich Federverdrehung, folgt das Endmoment
Für ist das , das Einspannmoment des einseitig eingespannten Trägers, für null. Der Bruch wird oft Einspanngrad genannt.
6. Schräge Auflager
Ein Loslager auf einer geneigten Fläche hält die Verschiebung nur senkrecht zu dieser Fläche. Mit dem Einheitsvektor in der gehaltenen Richtung lautet die Bedingung
Sie betrifft zwei globale Freiheitsgrade zugleich. In der Steifigkeitsmethode dreht man dafür die Freiheitsgrade dieses Knotens in ein eigenes Knotensystem, dessen eine Achse in zeigt, und sperrt dort einen Freiheitsgrad. Der Rechner bietet schräge Auflager nicht unmittelbar an. Nachbilden lassen sie sich mit einem kurzen, sehr dehnsteifen Pendelstab in Richtung , an beiden Enden mit Momentengelenk und am anderen Ende fest gelagert: Er hält den Knoten genau in seiner Längsrichtung.
7. Genug Auflager, richtig angeordnet
Ein ebenes Tragwerk kann sich als starrer Körper auf drei Arten bewegen: in , in und durch Drehung. Die Auflager müssen alle drei verhindern. Dafür sind mindestens drei Bindungen nötig, aber nicht jede Anordnung von drei Bindungen genügt:
- Alle Reaktionen parallel. Ein Träger auf drei Loslagern kann nichts in -Richtung aufnehmen und ist waagrecht verschieblich.
- Alle Wirkungslinien durch einen Punkt. Ein waagrechter Träger mit Festlager bei und einem Lager bei , das nur hält, kann sich um drehen: Die Reaktion bei wirkt entlang der Trägerachse durch und hat keinen Hebelarm.
In beiden Fällen ist singulär. Der Rechner erkennt das beim Lösen an einem verschwindenden Pivotelement und meldet den Knoten und den Freiheitsgrad, an dem die Bewegung zuerst auffällt. Mehr zu solchen Ausnahmefällen auf der Seite Statische und kinematische Bestimmtheit.
8. So rechnet der Rechner
- Für jeden Knoten gibt es die Schnellwahl frei, Loslager, Festlager, Einspannung und Feder. Darunter lässt sich jeder der drei Freiheitsgrade einzeln sperren; so entstehen auch ein Loslager, das nur hält, oder eine verschiebliche Einspannung.
- Gesperrte Freiheitsgrade werden aus dem Gleichungssystem gestrichen, die Auflagerkräfte nach Abschnitt 2 zurückgerechnet.
- Vorgegebene Verschiebungen und Verdrehungen, in m und rad, wirken nur in gesperrten Freiheitsgraden und gehen über auf die rechte Seite.
- Federn werden je Freiheitsgrad eingegeben und auf die Hauptdiagonale addiert; ihre Kraft erscheint in der Tabelle der Auflagerkräfte. In einem starr gesperrten Freiheitsgrad bleibt eine Feder wirkungslos.
- Wird ein Knoten zum Auflager, bietet der Rechner einmalig an, die dort ankommenden Stäbe gelenkig anzuschließen. Nach Abschnitt 3 ist das nur an einer Einspannung oder bei mehreren Stäben von Bedeutung.
- Nach jeder Rechnung prüft der Rechner das Gleichgewicht aus Lasten, Auflager- und Federkräften.
Im Rechner nachvollziehen
Beide Zahlenbeispiele stehen in der Beispielliste. Bei der Stützensenkung zeigt der Reiter „Auflager“ 2,813, −5,625 und 2,813 kN, die Momentenlinie 16,875 kNm über . Beim Kragträger mit Federlager steht die Federkraft 17,561 kN in der Zeile von und das Einspannmoment 74,634 kNm bei .
Stützensenkung im Rechner öffnen Federlager im Rechner öffnen